Das Geheimnis von Charthits – was müssen Chartstürmer bewirken?

Freitag, 24.07.2020 12:33 Uhr

Wie die Musikcharts zustande kommen, ist für viele Menschen ein ständiges Rätsel. Doch auch der Musikindustrie bleibt das Patentrezept oft verborgen, denn wäre dieses bekannt, müssten schließlich alle neuen Songs und Alben die Charts erobern. Gemeinsamkeiten haben die echten Chartstürmer aber immer: Sie schaffen es, nicht allein in einem Land die Spitzenplätze zu erobern, sie haben auch oft etwas, das sogleich die Hörer anspricht. Aber was ist diese Besonderheit und was macht einen Top-Hit sonst noch aus?

Welche Elemente sind dabei wichtig?

Wie der Blog von Betway ebenfalls bei seiner Chartanalyse treffend darlegt, gibt es kein absolut einzigartiges Element, da sich die Geschmäcker der Zuhörer je nach Land durchaus entscheiden. So stehen mexikanische Musikfans auf sehr schnelle Lieder, während die Deutschen mit einem Tempo von 112 BPM sich absolut wohlfühlen.


Trotz allem gibt es einige Faktoren, die in der möglichst besten Kombination zusammenkommen müssen:

  • Tonart - sowohl die Moll- als auch die Durtonleiter sind möglich, wenngleich Moll eher belastend empfunden wird und somit keinen Sommerhit bilden kann.
  • Tempo - das wurde bereits angesprochen. Das Tempo gibt an, wie viele Schläge in der Sekunde gespielt werden. 60 BPM wäre ein Schlag, 120 BPM zwei Schläge.
  • Takt - den kennen auch noch alle aus dem Musikunterricht. Wie viele Schläge enthält ein Takt des Liedes? In der Popmusik wird der gängige 4/4-Takt genutzt.
  • Dynamik - die Dynamik eines Songs erklärt, wie intensiv und aktiv ein Song wahrgenommen werden kann. Reine Symphonien können eine sehr geringe Dynamik haben, während Death Metal eine hohe hat.
  • Tanzbarkeit - sie macht einen echten Hit aus, denn nur tanzbare Songs werden landauf landab in Diskotheken, Bars, Clubs und auf Festen gespielt. Die Tanzbarkeit wird von den vorherigen Faktoren bestimmt.


Und die Erfolgsformel? Sie stellt eine Zusammenfassung aller Faktoren unter Berücksichtigung der jeweiligen Landesgewohnheiten dar. Für Deutschland hieße das laut Betway:

  • Genre - Popmusik
  • Tonart - F-Dur Tempo - 112 BPM
  • Dynamik - 68 Punkte
  • Tanzbarkeit - 64
  • Taktart - 4/4


Und das genügt nun immer, um erfolgreich zu sein? Nein, denn das Wissen um die Zutaten ist bekannt, dennoch schaffen es perfekt zusammengestellte Songs oft nicht einmal in die Top 100 inoffizieller oder offizieller Chart-Herausgeber. Auf der anderen Seite tauchen oft genug wenigstens kurzzeitig Interpreten auf den Spitzenpositionen der Album- oder Singlecharts auf, von denen ein Großteil der musikinteressierten Bevölkerung nie zuvor etwas hörte. Oder aber, plötzlich ist ein Song wochenlang auf Rang 1, der Jahrzehnte zuvor herauskam. Wie kann das sein?

 

Was spielt sonst noch eine Rolle?

Es gibt eine ganz einfache Antwort: Fans.

Die Charts berechnen sich jede Woche neu, und zwar anhand der von Freitag bis Donnerstag getätigten Verkäufe eines Albums oder einer Single. Downloads und Streamings werden ebenso bewertet, wie der Verkauf eines Albums an der Ladentheke. Eine Besonderheit sind die Vorbestellungen, denn sie zählen automatisch an den Tag des ersten tatsächlichen Verkaufs. Veröffentlicht eine Band am 15. Oktober ein Album, kann es aber seit Juli vorbestellt werden, wird die Vorbestellung am 15. Oktober als Kauf gewertet. Und das bedeutet:

  • 0 auf 100 – kann eine Fanbase ausreichend mobilisiert werden, ist es möglich, in der ersten Woche vor den Topstars der Musik zu stehen. Auf diese Weise schaffen es in Deutschland etliche kleinere Bands aus Nischengenres auf die Spitzenplätze.
  • Ereignis – manchmal reicht ein Ereignis, um Lieder in die Charts oder zurück in die Charts zu bringen. »Die Ärzte« brachten 2015 ihren Song »Schrei nach Liebe« auf Rang 1 der deutschen Charts. 1993 war die Erstveröffentlichung, die »Aktion Arschloch« der Band brachte das Lied zurück.
  • Film & TV – auch dieser Faktor spielt mit eine Rolle, gerade bei ungewöhnlichen Charthits. Greifen weitverbreitete Serien oder Filme auf einzelne Lieder zurück und kommen diese Filme und Serien beim Publikum an, so steigt automatisch die Nachfrage und natürlich die Verkaufszahl.


Trotz aller Möglichkeiten und Optionen bilden sich die Charts häufig aus vergangenen Erfolgen einzelner Stars ab. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die nächsten Alben von Rihanna, Justin Bieber, Lady Gaga und Co. ebenso wie einzelne Singles der Künstler auf den Spitzenrängen stehen.

Was bleibt den Künstlern?

Es ist unheimlich wichtig zu wissen, was den allgemeinen Geschmack der Musikhörer eines Landes trifft. Daher kann Künstlern nur empfohlen werden, sich ihre Stücke bezüglich Tanzbarkeit, Tempo, Takt, Dynamik und Genre anzuschauen und mit den Vorlieben des Hauptmarktes zu vergleichen. Hinzu spielt natürlich die Jahreszeit eine Rolle: Ein Song über gemütliche Kaminabende in der Skihütte ist im Sommer schlichtweg fehl am Platz.

Doch auch die Fanbase darf nicht unterschätzt werden. Sicher, katapultieren die Fans einen Song oder ein Album mittels Vorverkäufen in die Top 10, so spiegelt der Rang einzig die Fans wider. Nun kommt aber der besondere Effekt, nämlich, der der Sichtbarkeit. Umso höher ein Stück in den Charts steht, desto mehr Menschen sehen es und sind geneigt, zuzugreifen. Mit Glück kann eine gute Position also länger gehalten werden, was wiederum bedeutet, dass die eigene Bekanntheit steigt und das nächste Album wesentlich einfacher in den Charts aufsteigen kann.

Fazit - Wissen und Glück

Einen echten Musikhit zu schreiben, ist Glückssache. Natürlich ist das Hintergrundwissen rund um die Vorlieben der Hörerschaft und der Erfolgskonzepte wichtig, allein darauf darf sich jedoch niemand verlassen, der nicht schon einen sehr großen Namen hat. Am Erfolgskonzept versuchen sich jährlich unzählige Liedermacher und Künstler, ohne dass sie einen nennenswerten Erfolg haben.

Wer hingegen auf dem musikalischen Boden alles richtig macht, die Zutaten für den Hit geschickt und mit Hintergrundwissen wählt, und zugleich seine Fans mobilisieren kann, der schafft es auch in die Top 10. Die Hausaufgaben müssen gemacht sein, der Song muss zur jeweiligen Zeit passen und Fans und Käufer müssen zum Erscheinen zuschlagen – dann kann es auch mit dem Hit funktionieren.

Bildquelle: @ Aditya Chinchure / Unsplash.com

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